o, 2019

Draht, Wolle, Seide, Silikon, rotes Pigment, Nachtleuchtpigment


Ich öffne den Kühlschrank. Sein Licht rieselt auf den Küchenboden und auf mich hinab.
Sonst liegt die Küche im Dunkeln. Ich trete in den Schimmer am Boden. Deine Füsse sind kalt auf mir.

Er knistert. Mein Kühlschrank und ich. Geschwister. Eine goldene Schlange am Boden werden.

Keine meiner Organe mehr spüren. Ich schliesse den Kühlschrank. Meine Finger nicht mehr. Mir selbst abhanden kommen. Schuppen bleiben an der Türe hängen.
Um diese Uhrzeit ist es still, in der Wohnung, auf der Strasse, in meinem Kopf.
Atmen ist laut, die Schlange in mir zischelt. Im Dunkeln blitzen Stockzähne beim lächeln.
Oder beim Zähne fletschen. In meinen Zähnen wartet kein Gift. Ich bin nich giftig. Ich erwürge.
Sie fallen mir aus, Stück für Stück. Atomar verseucht.
Der Wind ist kühl. Kalte Nachtluft durch meine Lunge und meine Niere.
Meine Schlange streichelt mich. Haut ist glatt. Warm und ohne Schuppen – meine schon.
Mein Blut ist kalt. Bald werde ich mich häuten. Haut und Fleisch und Organe und Blut
Ich hauche die Tasse an, in meiner Hand wird sie zu Glas. Ich zerdrücke sie. Splitter bohren
sich in mein Fleisch, in meine Lunge. Heisses Wasser vermischt mit meiner Hand, mit meinen Flüssigkeiten. Sie haben mich verlassen. Ich bin du, du bist ich.
Nimm sie, meine Flüssigkeit, ich gebe sie dir.
Flüssiges Gold, flüssige Schlange. Ist einerlei in meinem Saum, deine Organe sind meine.
Ich ziehe mich in dich zurück, verkrieche mich in dir, lebe weiter in dir
Gleich fresse ich sie, ich will alle fressen. Ich renke meinen Kiefer aus, und beisse zu.
Ich fresse die Stille, den ohrenbetäubenden Krach und Dreck der Menschen. Zähne brechen
aus meinem Kiefer.


Und dann ist es wieder still, um diese Urzeit ist es still.
In der Wohnung, auf der Strasse, in meinem Kopf.
In die Dunkelheit der Wohnung hüllen, und entwinden
Ein grosser Tag. Ein Tag
Haut ist heute weich, ohne Nähte und empfindsam. Durchscheinend, blaue Adern pulsieren.
Im Licht schimmern meine Oberflächen.
Zerfallen
herausgebären aus mir


Viele Arme und Augen statt Fingernägeln.
Es sind Rauhnächte. Und die Nähte zwischen uns sind dünn.
Finger in die Zwischenräume
und auftrennen
Öffne den Reissverschluss der Haut, und sterblich zerfasern
Trete hinaus aus meiner Haut, ein Irrlicht werden
Verflüssigt, als nicht eines mehr
Aus Fingern wachsen Wurzeln
Kabel
Strom fliesst
dünne Wachsfäden überziehen Luft, eingesponnen
Geschwisterpartikel
spärlich beleuchtet
und wachsen hinein
brechen krachend auseinander
überziehen, ungehört und ungesehen
Im Verborgenen kriechend
und
gären

Fotografiert von Hayahisa Tomiyasu und Martina Morger

 © 2020  JORDIS FELLFRAU