osma, 2018

gefundene Materialien, Epoxidharz, 42 cm x 53 cm

Irisierende Folie, 148 cm x 56.5 cm
 

Kleine Gesteinssplitter schweben kurz über dem Boden. / Flirrend, Partikel schimmern.
Lau über der Erde, hin und her. Leicht verzögert. Ein Glitch.
Wenn ich die Hand ausstrecke, zucken die Splitter kurz zurück. Oszillieren, ohne Gewicht.
Ihre Haut ist rau und ihr Staub bedeckt viele Jahre. Auch sie flüstern.
Ein Dazwischen hebt die Steine in die Luft. Dicker als Luft.
Sie lassen mich in den Zwischenraum fassen. Er hat eine andere Temperatur als die restliche
Umgebung. Weicher, mit einer spürbar höheren Luftfeuchtigkeit. So, als könnte man in Wolken
fassen. Oder Nebel. Meine Finger schwappen hinein. Erst die Fingerspitzen, über die Knöchel,
dann den Handrücken hinauf. Winzige Tröpfchen setzten sich auf meiner Hand ab und überziehen
die Haut mit einem feuchten Film. Die einzelnen Flüssigkeitskörper verharren.
Ihre kleinen Hemisphären schimmern im Licht. Wie Gold. Ich drehe die Hand im Licht, aber die
Lichtpunkte auf den Tropfen ändern ihre Position nicht.
Sie bleiben an Ort und Stelle. Und dann werden sie grösser. Ich sehe genauer hin, und die goldenen
Lichtpunkte auf den Tropfen werden immer grösser, bis das Wasser (?) selbst verschwunden
erscheint und meine Hand stattdessen übersät mit gleissenden Lichtpunkten bleibt. Und ich kann
nicht sagen, ob die Tropfen aus Licht sich nach innen oder aussen wölben.
Jetzt bewegen sie sich. Sie fliessen aufeinander zu und fügen sich zu einem zusammen, bis keine
Haut mehr zwischen ihnen sichtbar ist. Ein Film aus Licht. Und er wandert. Den Arm hinauf, über
die Schulter und den Hals, bis zu meinem Gesicht. Dann über meine Augen.
…. .. .
Weiss
Keine Steine mehr.
Keine Hand. Nur gleissendes Licht.
Ohne Geräusch, kein Raum zerfasert. Oder einschlagen wie Blitze.
Und Stille
Und Leere
Und nichts mehr.
Nicht mehr sehen.
Reissen hinter dir und in dir.
Wo…
Mürfen. Die Arme strecken in alle Richtungen zugleich und breiten sich aus, und zerfallen in alles
wieder. Ein formbares, und mäandert, hin und her zwischen Form und Fluss, zwischen Innen und
Aussen.
Innen sterben und geschehen Formen zur gleichen Zeit, und haben alle Farben und sind doch
durchscheinend.
Ohne Membran umher schwimmen, ohne Richtung, innerhalb des ihren.
Ohne Organe. Das Unergreifbare ausserhalb des Wissens um das Unerfassbare.
Beliebig, aber nicht planlos und gleichzeitig. Und morpht sich stets, denn vieles
ist eines und eines zugleich vieles. Mit allen und doch keinen Armen. Ein Osma ist ein Osma ist ein
Osma ist.
und daneben sind weitere wandelbare Osma, Osma ist, innen, um und in sich und in all dem und
einen zirkulären Fluss in seiner allumfassenden Stossrichtung
spüren. Diffuses Licht erscheint und umgibt. Ein ständiges ausdehnen, auch das Osma. Gestalt
annehmen und verwerfen.
Und schweben. Und gehen.
Osma um Osma mürfen nebeneinander, aber berühren sich nicht. Ihre Osma sind nicht dieselben.
Gleich, doch durch Zeit und Raum voneinander getrennt.
Eine Zeit vor dieser Zeit ist auch eine Zeit neben ihr und nach ihr. Amorph und mehrschichtig arbeiten
sie immer.
Osma sind in einem Osma. Und die Osma sind in Osma. Verdauen auf immer // und ausspucken
und verdauen. Ein Osma ist
ein Osma ist Osma ein Osma ist bis
cerebral
zirkulär
und im Fluss
Einheit und Eigenheit
Feld
earth
desert
table
oral/rare
desolat
flesh
on time
oblivion
observation

 

 © 2020  JORDIS FELLFRAU